

Residenz 1
Amtszeit und Workshops 24.09.-04.10.2026
Ausstellung 29.08.-26.09.2026
Sarah Hachem ist eine libanesisch-deutsche Künstlerin und lebt in Berlin. In ihren multimedialen, installativen Arbeiten bringt sie Objekte, Texte, Fundstücke, Klang, lebende Materialien und Recherche zu räumlichen Versuchsanordnungen zusammen, in denen wissenschaftliche, alltägliche und poetische Perspektiven gleichberechtigt aufeinandertreffen. An der Schnittstelle von Kunst, Architektur und künstlerischer Forschung untersucht sie koloniale und gesellschaftliche Narrative von Raum, Körper und Wissen und entwickelt ortsspezifische Arbeiten, die bestehende Ordnungen hinterfragen und neue Beziehungen erfahrbar machen.
Sie ist Mitgründerin von habi practice gemeinsam mit Ana Bisbicus, einer Praxis für Kunst, Architektur, räumliche Forschung und Lehre, sowie Mitbegründerin des Künstler:innen- und Architekt:innenkollektivs Bundle. Neben ihrer künstlerischen Praxis lehrt sie an Kunst- und Architekturinstitutionen, zuletzt an der Universität Siegen, der weißensee kunsthochschule berlin, der Fachhochschule Erfurt und der Universität der Künste Berlin. Sie studierte Architektur an der Universität der Künste Berlin sowie Kunstgeschichte im globalen Kontext an der Freien Universität Berlin und vertiefte ihre künstlerische Forschung am Royal Institute of Art Stockholm.
Ausgangspunkt von Sarah Hachems Arbeit ist die Frage, wie Industrie den Alltag eines Stadtteils prägt und welche Spuren sie in seinen Materialien hinterlässt. Mit der Installation Vermessung im Wasser folgt Sarah Hachem den Wegen von Mainwasser, Pflanzen, Fetten, Laugen und anderen Stoffen durch Höchst und untersucht, wie Industrie, Stadt und Alltag miteinander verbunden sind.
Im Zentrum der Installation steht ein Kreislauf aus Rohren und unterschiedlichen Waschbecken, die über einen geschlossenen Wasserkreislauf miteinander verbunden sind. Das Wasser wird immer wieder durch Rohrleitungen gepumpt, die an die Infrastruktur des Industrieparks und an die alltäglichen Infrastrukturen der Stadt erinnern. An ihnen hängen Handseifen, die in gemeinsamen Workshops mit Anwohner*innen aus Höchst entstehen. Sie laden zum Händewaschen ein und verändern sich mit jeder Benutzung.
Für ihre Herstellung recherchiert Sarah Hachem Materialien aus Höchst und sammelt sie – wo möglich – vor Ort. Die Materialien werden Teil der Installation. Ihre Ursprünge, Verarbeitungen und Wege machen Verbindungen zwischen Industriepark, Stadt und Alltag sichtbar.
Mit der Zeit nimmt das Wasser Spuren seiner Benutzung auf. Rund um den Kreislauf liegen Fundstücke, Pflanzen, Zeichnungen, historische Dokumente und Materialien aus Höchst. Die Installation bewegt sich zwischen Waschraum, Brunnen, Seifenküche, Labor, Atelier und Archiv.
Mit der Zeit verbindet der Kreislauf Stoffe, Spuren, Menschen und Geschichten.


Residenz 2
Amtszeit und Workshops 06.10.-2.11.2026
Ausstellung 12.11.-15.11.2026
Johanna Dembinski ist eine interdisziplinäre Künstlerin und Kunstvermittlerin mit einem Schwerpunkt auf Keramik. Die Beschäftigung mit dem Ungeklärten und Unverständlichen, mit Mythen, Mutmaßungen und Aberglauben bildet den Ausgangspunkt für ihre Arbeiten. In Interviews und partizipativen Prozessen erforscht sie unseren Umgang mit dem Ungewissen, sammelt Randnotizen des Übernatürlichen und phantastische Erklärungsmodelle für nicht begreifbare Phänomene. Johanna untersucht Imagination als Bewältigungsstrategie, Resilienzfaktor und Möglichkeitsraum, um gegenwärtige Zustände zu hinterfragen und Transformationen anzustoßen. Was die Menschen ihr mitteilen, übersetzt sie in keramische Kartografien, spekulative Gebrauchsanleitungen und Diagramme. Sie entwirft fiktive Bewegungen und verschachtelte Enzyklopädien. Johanna hat Freie Kunst an der Bauhaus-Universität in Weimar und an der Athens School of Fine Arts studiert. Sie lebt und arbeitet in Leipzig.
Johanna Dembinski entwickelt gemeinsam mit Menschen aus Höchst eine Karte ortsbezogener Rätsel, Zweifel und Fragestellungen im Stadtteil. Während Karten üblicherweise abbilden, was wir wissen oder glauben herausgefunden zu haben, richtet das Projekt den Blick auf das Ungewisse. Wie sieht eine Karte aus, die keine Fakten verzeichnet, sondern Leerstellen und Fragen sichtbar macht? Mit welchen Strategien lässt sich unser Nichtwissen kartieren? Für die Vermessung lädt Johanna Menschen aus Höchst ein, ihre Erzählungen und Perspektiven einzubringen. Sie interviewt Nachbar*innen und organisiert Workshops, die mit Methoden der kritischen Kartografie arbeiten. Die Beobachtungen der Menschen übersetzt sie in eine Karte der ungeklärten und unerklärlichen Ereignisse im Vermessungsgebiet Höchst.
Wir bedanken uns für die zahlreichen Einreichungen des Open Calls. Eine Jury bestehend aus Sachpreisrichter:innen und Fachpreisrichter:innen hat sich für die Besetzung mit Johanna Dembinski und Sarah Hachem entschieden.
Mitglieder der Jury waren Tülay Güneş (Post-migrantische Architektur- und Stadtforscherin aus Höchst), Konstantin Lannert (Kurator, Bolongaro Museum Höchst und Historisches Museum Frankfurt), Martin Böttcher (Vorsitzender Raum für kulturelle Fragen e.V.), sowie Jurek Werth (social.form) und Carla Riechardt (social.form). Unser Dank gilt dem konstruktiven und kritischen Einsatz der Jurymitglieder.



